Einblicke

Von Hoffnungslosigkeit zu neuen Perspektiven

Die vergangenen zwei Wochen haben uns einmal mehr gezeigt, wie viel durch Peer-Arbeit möglich wird. Wir haben neue Menschen kennengelernt, Erstkontakte aufgebaut und begleitet – und durften erleben, wie kleine Schritte zu großen Veränderungen führen können.

Viele, die zu uns kommen, sind zunächst erschöpft, isoliert und hoffnungslos. Sie fühlen sich überfordert vom Behördendschungel, schämen sich, Hilfe annehmen zu müssen, oder haben Angst vor Ablehnung und Kontrolle. Hinzu kommt, dass viele gar nicht wissen, welche Unterstützung sie überhaupt beantragen könnten. Genau hier setzen wir an.

Was am Anfang oft fehlt – und warum Hilfe nicht in Anspruch genommen wird

Viele Betroffene nehmen mögliche Leistungen nicht in Anspruch, weil …

  • sie nicht wissen, dass es Unterstützung gibt
  • sie sich schämen, Hilfe zu brauchen oder zum Sozialmarkt zu gehen
  • sie Angst haben, als „faul“ abgestempelt zu werden
  • sie schlechte Erfahrungen mit Ämtern gemacht haben
  • sie überfordert sind von Formularen, Nachweisen, digitaler Bürokratie
  • sie Sorge haben, dass andere die Hilfe dringender brauchen
  • sie Angst haben, durch Anträge andere Leistungen zu verlieren
  • sie keine Energie mehr übrig haben – weil der tägliche Überlebenskampf sie erschöpft
  • sie Angst haben vor Beschämung, Kontrolle, Rückforderungen oder möglichen Folgen für ihre Kinder

So haben wir in den letzten zwei Wochen unterstützt

Wir haben …

  • Anträge gestellt oder vorbereitet, u. a. auf:
    • Sozialhilfe
    • Rehabilitationsgeld
    • Berufsunfähigkeitspension (Angestellte) / Invaliditätspension (Arbeiter)
    • Energiekostenzuschuss
    • Wohnbeihilfe
    • Aktivpass
    • Einkaufsberechtigungen (SOMA, Stradaladen)
    • Heizkostenzuschuss
    • Familienlastenausgleich
    • Grad der Behinderung und Behindertenpass
    • Hunger auf Kunst und Kultur
    • einmalige Hilfen in besonderen Lebenslagen (Land, MA 40, Sozialamt Linz)
    • Hilfsansuchen bei Caritas, Stadtdiakonie, Volkshilfe
    • Unterstützungen durch Vereine und Organisationen (z. B. Familienhilfe, Lionsclub)

  • praktische Lösungen gefunden, z. B.:
    • mit Energieanbietern Ratenvereinbarungen getroffen
    • Unterstützung bei Wohnungssicherung
    • Lebensmittelhilfe organisiert
    • Freizeitangebote für Kinder vermittelt

  • begleitet zu:
    • Terminen bei Ämtern
    • Arztbesuchen
    • Gesprächen in Schulen

  • Hürden abgebaut durch:
    • Hilfe beim Ausfüllen von Formularen
    • Erklärungen bei behördlicher Sprache und digitalen Hürden
    • Zuhören, Mut machen, Ängste abbauen

Was unsere Arbeit bewirkt

Durch unsere Peer-Begleitungen konnten in den letzten zwei Wochen u. a. erreicht werden:

  • neue soziale Kontakte aufgebaut
  • Isolation durchbrochen
  • Vertrauen in Ämter und Behörden gewachsen
  • Wohnsicherheit hergestellt
  • Energieversorgung gesichert
  • Kinder in Vereine und Freizeitgruppen integriert
  • Teilzeit- und Minijobs ermöglicht
  • Schuldenregulierung angestoßen
  • Entlastung durch Zuhören und Begleitung
  • Tagesstrukturen entwickelt
  • Selbstwertgefühl gestärkt
  • praktische Lösungen für den Alltag gefunden
  • Hobbys und Interessen wieder aufgenommen
  • Mut zurückgewonnen, für sich einzustehen

Fazit

Die letzten zwei Wochen haben uns einmal mehr gezeigt: Armut bedeutet nicht nur Geldmangel, sondern auch Scham, Angst und Isolation. Wenn Menschen Unterstützung auf Augenhöhe erfahren, verändert sich vieles: Sie gewinnen wieder Vertrauen in sich selbst, erleben erste Erfolge und spüren neue Hoffnung.

Unsere Peer-Arbeit wirkt dort, wo Hilfesysteme oft nicht greifen – niedrigschwellig, solidarisch, auf Augenhöhe. Und jeder kleine Schritt, den wir gemeinsam gehen, ist ein Stück zurück ins Leben.


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